Rollerstop bloggt

Rolling information ;-)

Ein Stück (eigene) Geschichte

Dieser Text stammt aus 2009. Er beleuchtet ein Stück meines Werdegangs, ein bisschen Firmengeschichte und einen Seitenblick auf die Thematik Männer/Frauen-Berufe und gerade deshalb ist er ist immer noch aktuell.

Es muss nicht immer typisch sein …

Es gibt keine „falsche“ Ausbildung – nur manchmal findet man den „richtigen“ Weg erst etwas später und die Lehrjahre können auch eine kunterbunte Erfahrungssammlung sein (wenn auch selten mit herkömmlichen Zeugnissen bestätigt)

Wenn ein kleines Mädchen lieber mit dem großen Bruder Lego baut, Fahrräder repariert oder von ihm löten lernt, als mit der Schwester die Puppen zu versorgen, wenn es später nicht an der elterlichen Hausbaustelle verzweifelt, sondern begeistert dem Zimmermann nacheifert und den Holzdachstuhl im Modell nach- oder besser mitbaut, dann könnte man fast annehmen, das Mädchen (und sein Umfeld) wüsste für seine Ausbildung schon, wo seine Interessen liegen. Wenn alles so einfach, wie scheinbar offensichtlich, wäre…

Also kam bei mir alles anders: Klassische Schulbildung an einer AHS und dann erst vorsichtig in Richtung Handwerk: Kolleg für Mode- und Bekleidungstechnik oder für Innenausbau und Möbelbau? Beides gleichzeitig geht eben nicht, daher also hintereinander. Doch nach zwei Jahren Mode blieb für die Möbel keine Zeit mehr, denn schneller als geplant, aber umso erfreulicher, kamen drei Kinderleins (nacheinander). Das Ganze teilweise im europäischen Ausland, (fast) keine Hilfe weit und breit, ein full-time-job, durchaus ausfüllend (vielleicht nicht immer erfüllend). So vergingen die Jahre mit viel Haushalt und Kinder und verschiedenen Teilzeitbeschäftigungen, übersiedeln zurück nach Österreich und Revitalisieren eines alten Hauses (so kam ich auch noch zum Möbelbau, wenn auch in Eigenregie).

Die verschiedenen Jobs, vom Tourismus (viel Kontakt mit Menschen, Vortrag an den Zuhörer angepasst und lösen manchmal schwieriger Situationen), über die Schneiderei (Arbeiten daheim mit variabler Zeiteinteilung), weiter über ein Bank-back-office (wo ich meinen Direktor mit der Aussage überrascht habe, mich mit einer Stichsäge wohler zu fühlen als hinter einem Schreibtisch) bis zur Mitarbeit beim Aufbau einer Firma, die in Österreich italienische Küchen vertreiben sollte (wiedereinmal Möbel, dazu Erfahrung rund ums Handelsgewerbe) sowie schlußendlich die Baustelle rund um das eigene Haus (Organisieren der Arbeitsbereiche und -aufgaben, Koordinieren der Handwerker und oft Lösen von technischen und praktischen Problemen auf der Baustelle) haben mir Vieles gebracht, das ich jetzt gut brauchen kann.

Was ich schließlich heute mache verdanke ich indirekt der Volksschule meiner Söhne, wo sich folgende Problematik ergab: Aus Sicherheitsgründen wurde den Tretrollern, mit denen so viele Kinder so gerne den Weg dorthin zurücklegten, Hausverbot erteilt. Denn einerseits wurden immer wieder am Gang gelagerte Roller gestohlen, andererseits waren die Gefährte im Stiegenhaus gefährliche Stolperfallen und auch Stufen und Wände (manchmal auch Schienbeine) wurden abgeschlagen.

Nun kann doch in Zeiten, wo Umweltverschmutzung und Klimawandel, aber auch die mangelnde Bewegung (nicht nur) der Kinder große Sorgen sind, das Verbot eines umweltfreundlichen Fortbewegungsmittels nicht die „Lösung“ sein! Eine sichere Parkmöglichkeit für die kompakten Roller mußte also her, nur gab es da am Markt keine Angebote. Und das obwohl ich beobachtete, dass das Problem nicht auf diese eine Schule begrenzt war.
Da blieb nur noch: selbst entwickeln.
Nach verschiedenen Versuchen und der Erarbeitung eines robusten, von der Anwendung her einfachen, und schließlich alltagstauglichen Systems, folgte der patentrechtliche Schutz und schlußendlich die Gründung einer Firma zur Vermarktung des neuen Produktes. Mein Büro konnte ich zu Hause einrichten, dank Internet und Mobiltelefon kann ich als Einpersonenunternehmen gut arbeiten, auch wenn ich viel unterwegs bin, um Kunden zu gewinnen, zu beraten oder beim Aufstellen von Rollerabstellanlagen dabei zu sein. Als Mutter von drei Kindern, die auch in den wildesten Jahren alles selbst gemanaged hat, ist ungeregelte Arbeitszeit eher Gewohnheit, aber sicher kein Problem. Andererseits erlaubt mir die flexible Zeiteinteilung auch Raum für mein Privatleben freizuhalten – und dieses ist erfreulicherweise sehr glücklich! Meine vier Männer (allen voran der größte, aber inzwischen
sind auch aus den drei Kinderleins ziemlich große Söhne geworden) stehen voll hinter mir!

Mit der Vermarktung meiner Rollerständer bin ich nun völlig ausgelastet. Das Projekt stellt sich als spannende und abwechslungsreiche Herausforderung dar. Einerseits ist das Konzept, einen Tretroller genauso parken zu können wie ein Fahrrad, noch kaum gedanklich verankert. So muß ich also oft erst Vorarbeit leisten und diese grundsätzliche Möglichkeit aufzeigen. Andererseits ist der Bedarf an Parkmöglichkeiten für die kompakten Roller weit verbreitet: Vorallem Schulen, aber auch viele andere Einrichtungen, die von Kindern und Jugendlichen (die zur Zeit größte Benutzergruppe der kompakten Flitzer) frequentiert werden, stehen vor dem Sicherheitsproblem, dass nämlich herumkugelnde Roller schnell zu gefährlichen Stolperfallen werden. Ordnung und Sicherheit sind im Interesse aller Beteilgten: die Rollerfahrer sollen sich im entscheidenden Moment um ihre Gefährte keine
Sorgen machen müssen, wer nicht selbst Roller fährt, möchte schon gar nicht über das Gerät eines anderen stolpern und die Verantwortungsträger wollen beiden dienen und dürfen dabei den Sicherheitsaspekt nicht aus den Augen verlieren. Und sowieso lagern all diese Roller in privaten Vorzimmern, Stiegenhäusern und Garagen vorerst noch mehr schlecht als recht.

Nun bin ich also ausgezogen, um all diesen Situationen Abhlife zu schaffen und noch viel mehr Rollerparkmöglichkeiten aufzuzeigen, aber neben sachlichen Marketingüberlegungen wie diesen, stoße ich immer wieder auch auf „originelle“ Reaktionen: Egal, ob im privaten Umfeld, wo ein „Du bist also unter die Daniel Düsentriebs gegangen“ noch als charmanter Kommentar zum Musterschutz zu werten ist, oder im aktiven Berufsalltag, wo oft Skepsis auftaucht, wenn da eine Frau mit einer technischen Lösung daher kommt, die sie in ihrer eigenen Küche gekocht hat. So habe ich erst vor kurzem bei einer Montage beim Festziehen der Bodenmuttern (nichts besonderes, nur in ungemütlicher gebückter Stellung mit einer Ratsche hantieren) dieses Kompliment (?) gehört: „Na, in der Körperhaltung kenn‘ ich Frauen nur beim Hantieren mit Besen und Schaufel.“

Aber was soll dieses ewige Hin und Her zwischen Männern und Frauen? Dabei wäre doch alles so einfach, könnte jede oder jeder schlicht das machen, was ihr oder ihm auch liegt. Egal ob Frauen „Männerberufe“ oder Männer „Frauenberufe“ erlernen, egal ob sie ihm oder er ihr die Türe aufhält! Dass das kein Problem sein muß, ist in meiner Familie ganz klar: Ich bin auch zu Hause die Heimwerkerin, wenn etwas zu richten ist, während mein Mann beim Anblick eines Schraubenziehers (inzwischen schmunzelnd, weil schon oft zitiert) nur fragt: „Warum schreibt der Kuli nicht?“
Wenn aber das Rollenbild wirklich immer noch die Erziehung fast ausschließlich uns Frauen überlässt, dann sind wir die Ersten, die der nächsten Generation weitergeben können, dass es keine Männer- oder Frauenberufe gibt, sondern jeder Vorlieben und Veranlagungen hat und nach Möglichkeit diesen entsprechend seine Aktivitäten wählt. Und, dass es für beide Geschlechter Tätigkeiten gibt, die zum täglichen Leben dazugehören, auch wenn sie vielleicht weniger sympatisch sind (ganz konkret vorallem im Haushalt, egal wieviel man durch Rationalisierungsmaßnahmen streicht, es bleibt immer noch zuviel übrig).

Trotz aller Traditionen bin ich doch noch zu einer beruflichen Tätigkeit gekommen, die mich freut. Sogar zum vom großen Bruder als kleines Mädchen gelernten Löten, habe ich doch zur besseren Produktpräsentation ein kleines Ständermodell angefertigt. Die abwechslungsreichen Erfahrungen in verschiedenen Berufen waren wertvoll und interessant, meine jetzige Tätigkeit ist eine spannende Herausforderung und was auch immer vor mir liegt, ich freue mich schon darauf.

Katharina Scichilone
Jahrgang 1966, französische Volksschule, Gymnasium und Kolleg für Mode und Bekleidungstechnik in
Wien. Glücklich verheiratet und Mutter von 3 Söhnen.
Grellste Farbe im beruflichen Regenbogen: Aufbau der Vermarktung eines selbst entwickelten und
geschützten Tretrollerparksystems.
Näheres dazu: www.rollerstop.at
Kontakt: info@rollerstop.at
Wien 2009

Update 2017: Rollerstop ist nun 10 Jahre alt, in 5 europäischen Ländern sind rund 20.000 Stellplätze installiert. Vom Pionier zum Leitprodukt und die Erfolgsgeschichte geht weiter 🙂

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